Das „Melchtaler Lied“ beginnt mit den Zeilen „Arnold Melchtals Heimatländchen ist ein Tal gar lieblich schön, ringsum stehn die hohen Berge, und im Tal die Blumen blühn“ – eine poetische Liebeserklärung an die innerschweizerische Landschaft. Der Text stammt von Pater Michael Iten (1879–1953), einem Kapuziner aus dem Kanton Uri, der mit schlichter Sprache grosse Bilder erschafft: vom friedlichen Tal, umgeben von Bergen, erfüllt vom Duft der Blumen und dem stillen Stolz der Heimat.
Aufgezeichnet und erstveröffentlicht wurde das Lied 1913 in der Sammlung „'s Alphorn“, herausgegeben in Sarnen und Zürich. Diese Sammlung hatte das Ziel, schweizerisches Liedgut zu bewahren und zu verbreiten – und gerade das Melchtaler Lied fand darin eine besondere Resonanz, da es die Volksseele der Innerschweiz auf berührende Weise einfängt.
David Rossel hat dieses Lied für gemischten Chor neu bearbeitet und ihm damit ein zweites Leben im Konzertsaal geschenkt. Seine Fassung bleibt der volksliedhaften Melodie eng verbunden, öffnet sie jedoch harmonisch für den mehrstimmigen Chorgesang. Der Chorsatz wirkt nie überladen, sondern fein ausbalanciert, mit warmen Klangfarben und einer natürlichen Stimmführung.
Rossel lässt dem Lied Raum zum Atmen. Die Dynamik folgt dem inneren Ausdruck der Melodie, die Stimmen umspielen einander mit ruhiger Selbstverständlichkeit. Besonders eindrucksvoll sind die Passagen, in denen sich der Satz zurücknimmt – als horchte der Chor selbst in die Berge, von denen das Lied erzählt.
In dieser Bearbeitung wird das „Melchtaler Lied“ zu mehr als nur einem nostalgischen Volkslied. Es wird zu einem musikalischen Denkmal: ein schlichtes, ehrliches Bekenntnis zu Natur, Heimat und innerer Stille – getragen von Respekt für die Tradition und Liebe zur klanglichen Gestaltung.