Panta Rhei ist altgriechisch und heisst Alles fliesst. Diese Aussage stammt aus dem Umkreis des vorsokratischen Philosophen Heraklit (500 v.Chr.) in Ephesus. Er sah im Leben das Bild eines Flusses, der ständig fliesst und dessen Anfang und Ende verborgen sind. Das einzig Bleibende nannte er Logos, eine Art Gesetz oder Geist, etwas, das keinem Wandel unterworfen ist. Der Fluss war zu allen Zeiten eine Quelle tiefer Inspiration: Ignatius von Loyola hatte beim Betrachten des Flusses bei Manresa in Spanien eine so gewaltige Vision, dass er nach eigenen Worten alle andern Erkenntnisse seines Lebens dafür hergegeben hätte. H. Hesses Siddhartha fand am Ende seines bewegten Lebens als Fährmann die tiefste Weisheit im Fluss. Für den brutalen zweiten Teil des Stückes gab mir ein Radio-Interview die Inspiration: Nach einer der vielen Ölkatastrophen im Meer wurde ein Experte gefragt, ob sich das Meer überhaupt je wieder erholen könne. Er antwortete, das Meer erhole sich bestimmt wieder, es rechne in viel grösseren Zeitabständen. Die Frage sei eher, ob es dann den Menschen noch geben werde. So stellte ich mir den Menschen vor, der 5 vor 12 Uhr in die Schöpfung eintritt, das Fliessen auf seine Weise selber erschafft, es in Krieg und Brutalität umwandelt und versanden lässt.
Die Erkenntnis Heraklits, dass im Fliessen ein Logos ruht, der über allem steht, inspirierte mich zum ruhigen Mittelteil. (Carl Rütti)
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