Bei meiner Vertonung von Shenandoah ließ ich mich von der Freiheit und Schönheit der Volksmelodie sowie von den Naturbildern inspirieren, die der Text heraufbeschwört, insbesondere vom Bild eines Flusses. Mir ging es weniger um den Klang eines dahinfließenden Flusses als um seine lebensbejahende Energie – seine Zeitlosigkeit. Mal fließt die Begleitung leise unter der Melodie dahin, mal atmet sie mit ihr im Einklang. Die Stimmung des Werks reicht von stiller Besinnung über wachsenden Optimismus bis hin zu tiefer Begeisterung.
Historischer Hintergrund
Das Shenandoah-Tal und der Shenandoah-Fluss liegen in Virginia. Unter Historikern herrscht Uneinigkeit über die Herkunft ihrer Namen. Einige behaupten, der Fluss und das Tal seien in den 1750er Jahren von den Cherokee als freundschaftliche Hommage an einen zu Besuch weilenden Irokesen-Häuptling namens Skenandoah benannt worden. Andere vermuten, dass die Region nicht von den Cherokee, sondern von den Senedo-Indianern des Virginia-Tals benannt wurde. In der Senedo-Tradition bedeutet Shenandoah „Tochter des Mondes“ und steht in keinem Zusammenhang mit dem Irokesen-Häuptling Skenandoah.
Die Ursprünge des Volksliedes sind ebenso unklar, lassen sich jedoch alle auf das 19. Jahrhundert zurückführen. Es wurde verschiedentlich einem Bergarbeiter aus Pennsylvania, einem jungen Schützling von Stephen Foster und einer Hausfrau aus Lexington, Kentucky, zugeschrieben. Im Laufe der Jahre wurden viele Varianten der Melodie und des Textes überliefert, wobei die beliebteste die Geschichte der Liebe eines frühen Siedlers zu einer indianischen Frau erzählt.