Am 16. März 1485 erlebte der Dichter Sebastian Brant in Basel eine Sonnenfinsternis. Er schrieb im damals üblichen lateinischen Stil sein Erlebnis im Gedichts-Zyklus 'Eklipsis' auf.
Am 11. August 1999 hatten meine Frau und ich die einmalige Gelegenheit, auf dem Monte Tamaro im Tessin eine Sonnenfinsternis zu erleben. 20 Jahre später erhielt ich von den Männerstimmen Basel den Auftrag, 'O Phaeton, Phaeton' - das zentrale Gedicht aus Sebastian Brants Eklipsis-Zyklus - zu vertonen. Darin schildere ich minutiös die Ereignisse von 1999 auf dem Monte Tamaro: Strahlende Sonne, wild umher flatternde Vögel, grasende Schafe und fröhliche Menschen. Dann wurde es kühler, dunkler und ruhiger. Das Flattern und Zwitschern der Vögel verschwand, die Schafe legten sich nieder - völlige Ruhe und Dunkelheit kehrte ein. Nach einer Weile wurde es wieder heller und wärmer: Die ersten Sonnenstrahlen erschienen, die Schafe erhoben sich und begannen wieder zu grasen, das Zwitschern und Flattern der Vögel kehrte zurück - die klare, helle Sonne strahlte nun noch viel intensiver und freudiger.
Carl Rütti