In den 90er Jahren gab ein virtuoses Glasharfen-Trio der Mimenschule Ilg Zürich regelmässig Konzerte. Da das Repertoire nur aus bekannten Flötenuhr-Stücken des 18. Jahrhunderts und aus allerlei kurzen Bearbeitungen bestand, wünschte sich das Trio ein mehrsätziges grösseres Werk, und zwar möglichst über das bekannte Stundenbuch-Gedicht Rilkes Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen. Doch wie sollte ich ein so gewaltiges Gedicht für zarte Glasharfen-Klänge vertonen? Mir kam folgende Idee: Nehmen wir an, dieses Gedicht Rilkes sei verschollen und es würden nur noch einzelne Fragmente existieren. So vertonte ich eben diese Fragmente in beliebiger Reihenfolge.
Ins Zentrum stellte ich das Fragment um Gott, um den uralten Turm.
In diesem Satz hören wir die einzigen tiefen Töne des ganzen Werkes; diese werden durch Flaschen erzeugt. Die verschiedenen Tonhöhen entstehen, wie bei den Gläsern, auch bei den Flaschen durch die Menge des eingefüllten Wassers. Während die Gläser durch das vorsichtige Kreisen über den Rand mit den feuchten Fingern erklingen, werden die Flaschen wie bei einer Queröte geblasen. Das Werk In wachsenden Ringen widmete ich dem Zürcher Glasharfen-Trio Annemarie Mörgeli, Els Ilg und Pius Brogle.