ZWEIHUNDERT V. CHR.
Das melodische Material, das in 200 v. Chr. verwendet wird, stammt aus einer zweitausend Jahre alten griechischen Hymne an Apollo. Die legendären Abenteuer von Odysseus, wie sie von Homer in der Odyssee (ca. 700 v. Chr.) beschrieben werden, liefern das programmatische Material.
Die Musik basiert frei auf der Ersten delphischen Hymne (oder Lobgesang auf Apollon), komponiert ca. 200 v. Chr. Die Quelle ist eine Transkription, die auf den Seiten 363–367 von Ancient and Oriental Music, herausgegeben von Egon Wellesz (Oxford University Press: London, 1957), zu finden ist.
Jeder Satz des Werks stellt ein Schlüsselereignis des homerischen Epos dar, wie im Folgenden beschrieben.
Satz I: Intrada
Die ersten vier Noten dieses Satzes, C – Bb – G – Bb, bilden die melodische und harmonische Grundlage für das gesamte Werk. Diese Tonhöhen, die auf einfache und direkte Weise eingeführt werden, werden im weiteren Verlauf der Suite auf komplexere Weise weiterentwickelt.
Auf diese feierliche Einleitung folgt eine militärisch anmutende Fanfare, die die Figur aus punktierten Achtel- und Sechzehntelnoten einführt, die später im zweiten und vierten Satz wieder aufgegriffen wird. Tatsächlich tauchen alle musikalischen Ideen, die für die verbleibenden Sätze von zentraler Bedeutung sein werden, erstmals in der Intrada auf.
Dieser Satz schildert die Erhabenheit von Odysseus und seinem Königreich auf Ithaka und schafft die heroische Stimmung des gesamten Werks.
Satz II: Ballade
Nach einer kurzen Wiederaufnahme der eröffnenden Fanfare aus punktierten Achtel- und Sechzehntelnoten greift der zweite Satz die fallende Terz (Bb nach G) aus dem C – Bb – G – Bb-Motiv auf und erweitert sie zu einem eindringlichen Solo für Altsaxophon. Das C – Bb – G – Bb-Motiv taucht erneut auf (siehe Takte 23–33 bei den Trompeten) als Kontrapunkt zu dieser Melodie und pulsiert nun durch die dichte Klangtextur des Ensembles. Viele Interpreten betrachten die Ballade mittlerweile als das emotionale Epizentrum der gesamten Suite; meine Konzeption der Ballade zielt darauf ab, eine Vereinigung von Pathos und Stärke zu erreichen. Programmatisch schildert dieser Satz Odysseus’ Sohn, Telemachos, der sich einerseits nach Odysseus’ Rückkehr sehnt und andererseits stoisch das Königreich seines Vaters verteidigt.
Satz III: Tanz
Es wird Odysseus zwanzig Jahre kosten, nach Ithaka zurückzukehren. Während seiner Abwesenheit belagern Adlige seinen Palast, verletzen die Unantastbarkeit des Hauses und werben um die Hand seiner Frau Penelope. Dieser Satz schildert die daraus resultierenden zügellosen Gelage. Das ursprüngliche Vier-Noten-Motiv wird chromatisch verändert und der Takt unregelmäßig gestaltet. Das rasante Tempo, die treibenden Schlaginstrumente sowie die kantigen Metren und Melodien vereinen sich zu einer Explosion rücksichtsloser Hemmungslosigkeit.
Satz IV: Marsch
Ausgehend von einem zarten Holzbläserensemble, begleitet von Fingerzimbeln, steigert sich dieser Satz zu einer voll orchestrierten Darbietung voller donnernder Schlaginstrumente – ein donnernder Siegesmarsch. Odysseus ist triumphierend zurückgekehrt, um seinem Haushalt die Würde zurückzugeben und den Thron des Königreichs Ithaka zurückzuerobern.
ANMERKUNGEN FÜR DEN DIRIGENTEN
Satz I: Es ist darauf zu achten, dass jedes der melodischen Motive bei seiner Darbietung klar und deutlich zu hören ist. In den Eröffnungsphrasen ist ein kühner, kraftvoller und distanzierter Stil erforderlich, wobei eine lyrische, kraftvolle und klangvolle Melodie in den Hörnern und im Altsaxophon (ab Takt 20) unerlässlich ist. Der abschließende Beckenschlag muss besonders hervorstechen und sollte noch eine Weile nachklingen dürfen.
Satz II: Achten Sie darauf, dass dieser Satz nicht zu langsam oder zu tragisch wird. Mit der Bezeichnung andante sostenuto, könnte die Versuchung bestehen, das sostenuto auf Kosten des andante zu betonen. Zwar sind Rubato und ein ausdrucksstarkes Spiel durchaus gefragt und angemessen, doch ein echtes andante (Schritt-Tempo) bewahrt die lyrischen Aspekte dieses Satzes.
Satz III: Das Schlagzeug muss sehr prägnant und klar klingen. Ein abgetrenntes „marcato“ ist bei allen Stimmen unerlässlich. Die Darbietung muss sowohl rhythmisch präzise und diszipliniert als auch wild treibend und energiegeladen sein.
Satz IV: Ein diszipliniertes und würdevolles Tempo sowie ein ausgeprägtes Pulsgefühl sind unerlässlich. Die Ausgewogenheit zwischen den beiden parallelen Melodielinien (ab Takt 31) ist wichtig, da die tiefere Linie dazu neigt, etwas in den Hintergrund zu geraten. Ein markantes, intensives ritardando molto (ab Takt 53) ist unerlässlich, um die dramatische Würde des Werks zur Geltung zu bringen.
Gregory B. Rudgers